Richtig an die Boje

Anlegen an der Boje ist für viele offenbar ein ziemlich unerforschtes Feld, das hauptsächlich von schierer (Mannes-) Kraft, dem ausgiebigen Einsatz von Boots- und sonstigen Haken und einem Quäntchen Glück bestimmt wird.

Das muss nicht sein.

Wie man vollkommen entspannt, ohne jegliche Hilfsmittel wie „Bojenfanghaken“ etc., reproduzierbar und sicher an der Boje festmacht, lernt man – unter anderem – in unserem Hafenmanöver Training. An dieser Stelle sei nur so viel verraten:

  1. Vor der Annäherung an die Boje sollte man Richtung und Stärke der äußeren Kräfte, also Wind und Strom, feststellen. Strom – also Strömung, nicht den aus der Steckdose – gibt es auch in kroatischen Bojenfeldern, und wenn es wahrnehmbaren Strom gibt, der insbesondere die schon dort liegenden Boote mit dem Heck in den Wind dreht, dann wird selbst der beharrlichste Versuch, den Bug im Wind zu halten nicht fruchten. Weil:
  2. Eine Boje fährt man aus (Wind- oder Strom-) Lee mit dem Bug voraus so an, dass der Bug in Luv der Boje zum Stehen kommt. Nur so kann man bei der Boje stoppen, ohne sie mit dem eigenen Propellerstrom wegzudrücken, und so wird der Bug des gestoppten Bootes nicht sofort von der Boje wegtreiben. Anfahren mit dem Heck voraus kann prinzipiell auch funktionieren, erfordert aber vom Rudergänger echt viel Gefühl am Gashebel. Und hat, wie unlängst vom Verfasser in einem Bojenfeld in Süddalmatien beobachtet, zum vorzeitigen Bad eines Crewmitglieds geführt, das die Mission „Leine durch die Öse ziehen“ unbedingt erfüllen und keinesfalls die Boje auslassen wollte.
  3. Bei der Boje lässt man eine – vorbereitete – Seilschlaufe über die Boje fallen. Wenn die Schlaufe die Boje gefangen hat – was bei richtiger Positionierung des Bugs und damit der „Leinenmannschaft“ ein Klax sein sollte, belegt man die Leine möglichst lange und wartet. Das Boot wird an der Boje hängen, das funktioniert zuverlässig auch bei viel Wind, wenn man dem Impuls, an der Leine anzuziehen, heroisch widersteht, also die Leine lang lässt.
  4. Eine Boje überfährt man nicht, außer, man will mit dem Propeller an ihr festmachen.
  5. In einem Bojenfeld ankert man nur, wenn man
    • sicher ist, dass der Anker am Grund keinen Bojenstein „findet“, an dem er sich verhaken kann, oder
    • eine Tripleine am Anker fährt.
  6. Wenn man nur einen Kaffee-/Bade-/Sonstwaspausestopp einlegt, war’s das schon. Bleibt man länger oder will das Boot verlassen, dann muss man mit einer zweiten Leine an der Boje festmachen. Dazu wird
    • die zweite Leine am Bug, an der noch freien Belegklampe, vorbereitet
    • das Dinghi in’s Wasser gelassen
    • die zweite Leine vom Dinghi aus durch eine der (hoffentlich vorhandenen) zwei Ösen an der Boje gezogen und an Bord festgemacht;
    • ggf. kann man auch die Fangleine „umbauen“ und auch durch eine Öse ziehen, das muss aber nicht unbedingt sein, vor allem, wenn die Boje nur eine Öse hat.

Abschließend noch ein Hinweis zur Länge der Festmacherleine an der Boje: Die meisten Bojen, insbesondere in unserem Lieblingsrevier Kroatien, sind an betonierten Bojensteinen befestigt, die an Land eine Masse von 1000 kg haben. Unter Wasser bleiben durch verschiedene physikalische Phänomene, die schon ein alter Grieche namens Archimedes entdeckt hat (ja, der „Heureka“-Typ“) über den Daumen rund 500 kg Haltekraft über. Wenn man also mit einer 10 t Yacht an einer derart „verankerten“ Boje festmacht und dabei die Leinen möglichst kurz nimmt, wird das im Ergebnis zwar zu einer gewissen Beschwerung des Bugs, aber nicht zu einer verlässlichen Verankerung der Yacht führen. Hier gilt das Gleiche wie beim Anker: Länge hilft. Dieser Zusammenhang ist aber leider auch so manchem Bojenfeldbetreiber nicht klar, der halt gerne möglichst viele Boote auf seinem „Parkplatz“ unterbringen möchte, dabei aber auf die effektive Verankerung der Boote seiner Kunden leider keine übertriebene Rücksicht nehmen kann, schließlich muss die Pacht bezahlt werden. Am Ende bezahlt der aber keine Kaution, wenn das Boot an der Boje hängend gestrandet ist, sondern Du als verantwortlicher Schiffsführer. Daher halte die Bojenleinen möglichst lang.

Viel Spaß beim stressfreien Festmachen an Bojen!

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